Logfile-Analyse für SEO und AI Search: AI-Bots erkennen und KI-Sichtbarkeit messen
Wer bei ChatGPT und Co. sichtbar sein will, denkt zuerst an Content. Dabei entscheidet sich viel schon eine Ebene tiefer: Kann ein AI Crawler deine Seite überhaupt erreichen, und was passiert dort? Die ehrlichste Antwort darauf steht in deinen Server-Logs. Im eingebetteten Video spricht SEOSOON-Mitgründerin Juliane Bettinga im Search-Camp-Podcast mit Markus Hövener über die technischen Barrieren des AI Crawlings und darüber, warum die Logfile-Analyse aktuell die verlässlichste Datenquelle ist, um die eigene KI-Sichtbarkeit zu messen. Darunter findest du das bereinigte Transkript, eine Zusammenfassung und einen ausführlichen Praxisteil zu Logfile-Analyse, AI-Bot-Erkennung, JavaScript und Server-Performance.
Diese Seite behandelt die Diagnose per Logfile-Analyse. Wie du AI Crawler gezielt blockst oder zulässt (robots.txt, serverseitige Steuerung), liest du auf unserer Seite AI Crawler steuern.
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Redaktionell bereinigtes und gekürztes Transkript des oben eingebundenen Videos von Bloofusion Germany (Search Camp). Grundlage sind die automatisch erzeugten Untertitel; Formulierungen wurden zur Lesbarkeit geglättet, offensichtliche Erkennungsfehler korrigiert und Sprecherzuordnungen in eckigen Klammern ergänzt. Um Begrüßungs-, Vorstellungs- und Verabschiedungspassagen wurde gekürzt, die fachlichen Aussagen sind vollständig erhalten. Einzelne Passagen können vom gesprochenen Wort abweichen.
Worum es geht: Crawling und AI
[Markus] Willkommen zu Search Camp, zu einem Thema, mit dem sich viele SEOs und GEOs in den letzten Monaten beschäftigt haben: Crawling und AI. Ich habe heute Unterstützung durch Juliane Bettinga, SEO-Expertin und Mitgründerin von SEOSOON, technisches SEO ist eines ihrer Themen. Ähnlich wie es bei Google klassisch wichtig war, dass man gecrawlt wird, ist das bei den neuen KI-Suchmaschinen auch ein großes Thema. Und die erste Frage, die man vielleicht gar nicht erwartet, ist: Kann ein AI Crawler überhaupt auf die eigene Website zugreifen? Was kann da alles schiefgehen?
Barriere 1: serverseitiges Blocken (oft unbewusst)
[Juliane] Da gibt es verschiedene Faktoren. Spannend ist, dass sich zuerst sehr viel auf das Thema Content gestürzt hat, wie mache ich meinen Content fit für LLMs, ohne die technischen Barrieren zu diskutieren. Der erste Punkt, den die wenigsten auf dem Schirm haben, ist das serverseitige Blocken. Können AI-Bots meine Seite überhaupt crawlen? Das hat nichts mit der robots.txt zu tun, sondern mit serverseitigen Blockaden: über ein CDN, über Firewalls oder über den Hoster kann es Barrieren geben. Man merkt es daran, dass ein Rate Limit ausgespielt wird oder die Bots einen Status 403 bekommen. Das ist oft problematisch, weil gerade kleinere und mittlere Websites diese Entscheidung gar nicht bewusst getroffen haben. Sie haben sich für einen Hoster entschieden, und der Hoster hat für sie entschieden, dass bestimmte AI-Bots blockiert werden. Es fehlt Transparenz, es wird nicht darüber aufgeklärt. Größere Domains steuern das sehr bewusst, auch serverseitig über IP-Ranges. Aber bei kleineren und mittleren ist es eher ein unbewusstes Blocking.
[Markus] Du hast Rate Limit gesagt. Heißt das, ich bin zu einem Zeitpunkt zugreifbar und zu einem anderen nicht mehr, oder wird man immer beziehungsweise nie geblockt?
[Juliane] In der Regel sehe ich, dass es schon direkt bei den ersten Crawl-Aktivitäten ein Rate Limit gibt. Es ist ein künstliches Rate Limit, ab dem ersten Zugriff, meines Erachtens fast schon ein Missbrauch dieses Statuscodes. Das haben wir schon öfter festgestellt.
Barriere 2: robots.txt (bewusste Steuerung)
[Juliane] Neben dem serverseitigen Blocken können wir mit der robots.txt arbeiten. Das ist in der Regel eine sehr bewusste Steuerung, weil ich sie aktiv einpflegen muss. Habe ich bestimmte Bots blockiert, ist meine Seite für die gängigsten nicht zugänglich. Es gibt Ausnahmen: Perplexity und AI-Agents halten sich nicht immer an die robots.txt, weil sie eine normale Browser-Kennung nutzen. Insgesamt ist die robots.txt aber der bewusste Mechanismus, um AI-Bots zu blockieren. Interessant: Wenn ich mich sehr bewusst für eine Blockierung entscheide, darf ich mich trotzdem nicht wundern, wenn ich noch in AI-Antworten auftauche. Die robots.txt ist keine rückwirkende Maßnahme. Ich bin oft schon in den Trainingsdaten enthalten und werde von anderen Domains referenziert. Das heißt aber nicht zwingend, dass ich komplett in AI sichtbar bin. Das sollte man sich bewusst halten.
Barriere 3: das NoArchive-Meta-Tag
[Juliane] Daneben gibt es noch ein paar Faktoren, und das ist relativ neu, da muss man den Wingman-Kollegen Credits geben, die hatten das in der Dokumentation gefunden: Wenn man noch so ein historisches NoArchive im Meta-Robots-Tag im Quellcode hat, dann wird das in Richtung Bing, also Copilot, so gewertet: bitte nicht in den KI-Antworten nutzen. Man ist dann weder fürs Training noch für die Chats in diesem Bing-Kosmos verfügbar. Das kann man leicht testen: die Bing Webmaster Tools aufmachen, dort wird ein NoArchive-Tag als Recommendation reported. Das ist neu, das muss man beachten.
Barriere 4: JavaScript
[Juliane] Und dann das Thema JavaScript. Das kann man in beide Richtungen nutzen. Wenn ich möchte, dass meine Inhalte für LLMs verfügbar sind, sollte ich wichtige Inhalte nicht in JavaScript packen. Habe ich dagegen sensible Daten, kann ich sie bewusst in JavaScript packen, dann werden sie von LLMs nicht genutzt. Die Bots, gerade beim Grounding, extrahieren erstmal reinen Text.
[Markus] Wie verbreitet ist das Problem, dass relevante Inhalte per JavaScript generiert oder nachgeladen werden?
[Juliane] Relevante Inhalte per JavaScript sehe ich immer weniger. Oft sind es einzelne Widgets oder Elemente, die per JavaScript geladen werden. Bei größeren, interaktiven Plattformen kommt es häufiger vor, da habe ich bei komplexeren Projekten öfter mit JavaScript zu tun. Eine kleine bis mittlere Website hat eher einzelne Elemente, etwa bei WordPress oder TYPO3 einen Slider, aber das sind in der Regel nicht die wichtigsten Inhalte. Für die Standardwebsite ist das meist nicht der größte Hebel.
[Markus] Wie würdest du das prüfen? Mit welchen Tools gehst du ran?
[Juliane] Für das serverseitige Blocking gibt es mittlerweile verschiedene Tools, die alle AI-Bot-Typen im Bulk durchchecken, sogenannte KI-Bot-Checker. Wir haben da auch ein kleines Tool gebaut. Man kann es auch händisch mit dem Screaming Frog machen, da lässt sich der User Agent schön wechseln, die AI-Bots sind dort per Default hinterlegt. Man muss aber jeden Bot einzeln prüfen, das ist etwas aufwendiger, deshalb die Bulk-Checker. Für die robots.txt ist den meisten bekannt, wie man sie aufruft, sie liegt im Root, es gibt auch robots.txt-Checker. Und für JavaScript ist der Screaming Frog eine gute Option: Was wird per JavaScript nachgeladen? Oder verschiedene Chrome-Plugins, mit denen man JavaScript im Browser deaktiviert. Man muss trotzdem in den Code schauen, denn nur weil man eine weiße Seite sieht, heißt das nicht, dass alles per JavaScript geladen wird, oft fehlt einfach das CSS-Styling.
[Markus] Wenn man Probleme mit JavaScript hat, es kann ein kleines Thema sein oder ein Riesenthema, weil die Website komplett auf JavaScript gebaut ist. Was sind Lösungswege, um das für KI lesbar zu machen?
[Juliane] Relativ einfach ist Server-Side Rendering. Gerade bei größeren Websites, die ich nicht komplett umbauen will, ist Server-Side Rendering the way to go. Alternativ die wichtigen Elemente, die wichtigsten Beschreibungstexte, wirklich ins Raw-HTML bringen. Das ist ohnehin sinnvoll, nicht nur für LLMs: Google kommt mit JavaScript zwar gut zurecht, aber die Welt wird komplexer, Google ist vielleicht nicht mehr der Standard-Crawler. Also gehören die wichtigsten Inhalte ins Raw-HTML.
[Markus] Ketzerische Frage: Wenn die Systeme ihre Quellen oft aus dem Google- oder Bing-Index holen, könnte ich die JavaScript-Thematik dann nicht vernachlässigen, weil Google und Bing mit JavaScript umgehen können?
[Juliane] Der Index ist ja nur der Zwischenschritt. Aus dem Index bekommen die LLMs erstmal nur die URL und die Metadaten, also Title und Description. Die URL müssen sie trotzdem noch scrapen. Das nehmen Bing und Google ihnen nicht ab. Es ist also nur ein Zwischenschritt.
Server-Performance: grüne Core Web Vitals reichen nicht
[Markus] Ein weiteres Thema ist die Server-Performance, dass mein Server zu langsam ist. Ich könnte sagen, ich schaue mir meine Core Web Vitals an, in der Search Console ist alles grün, also ist alles gut. Ist das so?
[Juliane] Die Core Web Vitals sind schon ein guter Indikator. Trotzdem kann ich mit sehr guten Core Web Vitals Serverprobleme bekommen, weil die Crawl-Aktivität durch die AI-Bots extrem zugenommen hat. Die Serverbelastung, gerade bei Shared Hosting, habe ich im letzten Jahr vermehrt bei mehreren Projekten gesehen: Sie hatten teilweise Downzeiten oder Reaktionszeiten von bis zu 20 Sekunden, obwohl an der Seite selbst nichts geändert wurde, nur der Server hatte eine extreme Auslastung durch die sprunghaften Crawl-Aktivitäten der AI-Bots. Selbst mit guten Core Web Vitals muss ich also schauen, wie der Server dahinter performt, nicht nur meine Ressourcenstruktur.
[Markus] Helfen da nicht die Crawling-Statistiken in der Search Console? Da sehe ich ja, wie viele Millisekunden bis zur ersten Antwort vergehen.
[Juliane] Ich liebe die Crawling-Statistiken, aber sie haben einen dreitägigen Verzug. Was ich dort sehe, merke ich in der Realität schon vorher, wenn ich die Seite selbst im Browser öffne. Sie sind für kurzfristiges Monitoring zu träge. Für eine Trendentwicklung der Server-Reaktionszeit schaue ich schon rein, aber fürs kurzfristige Monitoring ist die Time to First Byte eine gute Metrik, um die Server-Health zu beobachten. Dafür gibt es verschiedene Server-Monitoring-Tools.
Logfiles: die wichtigste Datenquelle
[Markus] Du hast ein Faible für das Thema Logfiles. Lass uns das aufziehen. Was sind Logfiles?
[Juliane] Server-Logs sind Protokolldateien, die jeden Request an den Server dokumentieren. Ein Request kann vom User kommen oder von verschiedenen Bots. Sie protokollieren hart alles, wo von außen eine Anfrage kommt. Ich bezeichne sie gerne als GA4 für Bots. Während wir mit GA4 die User tracken, können wir mit den Server-Logs sehr schön schauen, was Bots mit unserer Seite machen, und das lässt sich super für LLMs nutzen.
[Markus] Woher bekomme ich die Logfiles?
[Juliane] Die stellt mir typischerweise mein Hoster zur Verfügung. Es kommt auf die Umgebung an, aber bei einer kleinen bis mittleren Website kann ich sie normalerweise über einen SFTP-Zugang ziehen und exportieren. In der Regel bekomme ich sie also immer irgendwo als Export.
[Markus] Dafür brauche ich Tools, um mir die Dateien anzuschauen. Gibt es da etwas Feines von Screaming Frog, oder was benutzt du?
[Juliane] Viele haben eine kleine Hemmschwelle, mit Server-Logs zu arbeiten, meines Erachtens vollkommen zu Unrecht. Der Zugang ist relativ leicht, man muss sich nur einmal initial damit beschäftigen, wo man sie findet. Das zweite ist die Auswertung, weil man mit riesigen Datenmengen zu tun hat, dafür braucht man ein Tool. Der Screaming Frog Log File Analyser ist eine schöne, günstige und faire Lösung. Für die ganzen AI-Geschichten ist er vielleicht nicht hundertprozentig, aber für jeden, der einfach loslegen will, ein sehr günstiges und einfaches Setup. Ansonsten kann man sich eigene Auswertungen bauen, denn es sind einfache Dateien, die einer einheitlichen Struktur folgen und sich leicht parsen lassen, gerade mittlerweile auch mit AI-Tools.
[Markus] Und wenn ich das Setup habe, was kann ich aus den Logfiles lernen?
[Juliane] Sehr viel. Die Logfiles waren für mich schon vor diesen ganzen AI-Bot-Aktivitäten super, weil sie einen echten Blick unter die Haube geben. Und hier ist es genauso: Mit den Server-Logs ist das für mich das einzige Mittel, um die eigene Sichtbarkeit in LLMs überhaupt zu beziffern. Wir können feststellen, welche URLs vom Trainingsbot genutzt wurden und welche im Grounding zur Beantwortung von Fragen. Das identifiziert man anhand der User Agents in den Server-Logs. Wenn man da in die Analyse geht und sich ein kleines Setup entwickelt, kann man eine Art Reverse Prompt Engineering betreiben: Ich stelle fest, welche URLs ganz oft fürs Grounding genutzt werden, also wo wirklich ein Nutzerinteresse dahintersteht. Das ist wertvoll, weil wir momentan wenig Möglichkeiten haben, die Sichtbarkeit in LLMs zu quantifizieren. Wir fangen oft mit Prompts an, die wir tracken, aber die haben kein Suchvolumen dahinter, und es gibt keine Tools, die das zuverlässig beziffern. Mit den Server-Logs bekomme ich zumindest einen Indikator, wo wirklich Nutzerinteresse besteht.
[Juliane] Der zweite Schritt ist, diese Daten zu aggregieren: Welche meiner Themen, Produktgruppen oder Verzeichnisse werden am häufigsten von LLMs wie ChatGPT genutzt? Damit bekomme ich ein Gefühl dafür, wo ich relevant bin, wo nicht und wo ich gerne relevant wäre. Das kann ich alles schon in den Server-Logs sehen.
[Markus] Die konkreten Prompts der Leute sehe ich aber nicht?
[Juliane] Nein, leider nicht. Man sieht nur, welche URLs zur Beantwortung von Prompts genutzt wurden, aber nicht, welcher Prompt es war. Man kann sich Hilfstools bauen: Zu den URLs, die besonders häufig im Grounding genutzt wurden, schaue ich in der Search Console nach den Longtail-Suchbegriffen, die einen Hinweis auf relevante Fragestellungen geben. Ich habe mir zum Beispiel einen eigenen AI-Agenten gebaut, dem ich die auffälligen URLs aus den Server-Logs übergebe, der dann relevante Prompts entlang der Customer Journey entwickelt, die Seite scrapt und die Suchintention analysiert. Man kann sich dem nähern, aber die Prompts bekommt man nicht wirklich angezeigt, das ist der Nachteil.
[Markus] Kann es passieren, dass ich sehe, ChatGPT hat im Rahmen des Groundings auf meine Seite zugegriffen, sie aber später wieder verworfen?
[Juliane] In den Server-Logs sieht man das nicht. Man sieht nur, dass man in die engere Auswahl gekommen ist. Bei ChatGPT wird ein Prompt eingegeben, es startet ein Query-Fan-out, meine Seite kommt ins Relevanzset zur Beantwortung. Das heißt aber nicht, dass ich als Quelle erwähnt werde oder dass Inhalte von mir in der Antwort genutzt werden. Das können wir nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen.
Bing AI Performance Report versus Logfiles
[Markus] Wie findest du unter diesem Aspekt den AI Performance Report in den Bing Webmaster Tools?
[Juliane] Den habe ich mir mit großem Interesse angeschaut, weil er erstmals überhaupt Daten zur Verfügung stellt. Ich habe ihn mit den Server-Logs abgeglichen und festgestellt, dass Bing uns nur etwa 10 Prozent der Daten liefert, die wir aus den Server-Logs bekommen, wenn ich die reinen URLs vergleiche. Man kann aber Brücken schlagen: schauen, welche URLs in den Server-Logs oft genutzt werden und parallel in den Bing Webmaster Tools, welche Grounding-Queries mit diesen Seiten verbunden sind. Bei Bing ist die Copilot-Nutzung insgesamt geringer, kein Wunder, dass es nur 10 Prozent der ChatGPT-Werte aus den Logs sind. Trotzdem ist es eine sehr gute Ergänzung. In der Analyse fehlt aber viel, das muss man ehrlich sagen, auch weil die Zielgruppe von Copilot eine andere ist, eher B2B.
Was tun, wenn Inhalte in der KI nicht ankommen?
[Markus] Wenn ich das Setup habe und sehe, dass bestimmte Inhalte bei der KI nicht gut ankommen, wie gehst du dann vor?
[Juliane] Das muss man abwägen und auf Ursachenforschung gehen. Es kann sein, dass diese Inhalte schon vom internen KI-Wissen beantwortet werden. Wir hatten zum Beispiel einen Konzertveranstalter mit verschiedenen Seiten-Templates nach Ticketing, Veranstaltungsort und Artists. Anhand der Server-Logs sahen wir, dass der Bereich Artists oft von den Trainingsbots gescrapt wurde, aber nie von denen, die fürs Grounding zuständig sind. Im Umkehrschluss: Diese Inhalte sind für die Sichtbarkeit in LLMs unwichtig. Das ist nicht schlimm, wir müssen an alle Kanäle denken, die Artists haben in anderen Bereichen ihre Berechtigung. Ich versuche immer, anhand der Server-Logs an den Fällen zu lernen, die gut funktionieren und mir Conversions bringen. Was gut funktioniert und Klicks oder Conversions bringt, kann ich überlegen zu adaptieren, auf wichtige Produktgruppen und Themenbereiche. Ein Patentrezept gibt es nicht, man muss die Daten anschauen und anhand des eigenen Geschäftsmodells bewerten.
Cloudflare und der Blick nach vorn
[Markus] Die AI-Bots crawlen zum Teil viel, und Cloudflare hat sich zum Anwalt der Websites erhoben und will dieses massive Crawling steuern. Wo geht die Reise hin, kommt ein Crawling War?
[Juliane] Wenn man sich die Crawl-Aktivität anschaut, sieht man, dass es ein Thema ist, gerade für die Server und Cloudflares dieser Welt. Sie machen das aber nicht uneigennützig: Netzlast und Ressourcenkosten wollen sie einsparen. Perspektivisch kann man das Crawling nicht verhindern. Es wird Modelle geben, für die man sich aktiv entscheiden kann, aber ich glaube nicht, dass die Lösung ist, alles per Default für alle zu sperren. Es muss eine gesunde Abwägung geben, vielleicht mit einem richtigen Rate Limit, gerade bei AI-Trainern, wo man den Anteil herunterreguliert. Ich glaube, die Crawl-Aktivitäten der AI-Bots werden perspektivisch etwas strukturierter und ressourcenorientierter. Und nicht jedes LLM wird künftig die Relevanz haben, die es heute hat, das wird sich durch Marktregularien vielleicht auch auflösen.
[Markus] Von Google soll es bald auch Kontrollen geben, dass man sich aus den AI Overviews herausnehmen kann, aber im normalen Index bleibt. Und Cloudflare hatte diese Content Signals, mit denen man das Trainieren erlauben oder verbieten konnte.
[Juliane] Die Content Signals gab es, aber sie haben keinen Eingang in die Praxis gefunden.
Der Appell: schau in deine Logfiles
[Markus] Haben wir ein wichtiges Thema vergessen, hast du noch einen Tipp?
[Juliane] Ich kann wirklich jedem empfehlen, sich einfach mal die Server-Logs anzuschauen, 14 Tage, ohne großen Aufwand, und zu schauen, was wie häufig gecrawlt wird. Das sind wirklich schöne Einblicke. Das und die strukturellen Barrieren sind für mich die zwei wichtigsten Punkte, die jeder mal checken sollte. Damit ist man in diesem Bereich einfach einen Schritt weiter.
Das Wichtigste aus dem Video: Logfile-Analyse als Fundament der KI-Sichtbarkeit
Wir fassen die Inhalte des Videos von Bloofusion Germany hier zusammen. Kernbotschaft von Juliane Bettinga: Bevor du Content für KI optimierst, prüfe die technischen Barrieren, und nutze deine Server-Logs, denn sie sind aktuell die verlässlichste Datenquelle, um die eigene Sichtbarkeit in LLMs zu messen.
Erst die technische Barriere, dann der Content
Viele stürzen sich auf die Content-Optimierung für ChatGPT und Co., ohne zu prüfen, ob AI Crawler die Seite überhaupt erreichen. Vier Barrieren stehen typischerweise im Weg: unbewusstes serverseitiges Blocken durch Hoster, CDN oder Firewall, die robots.txt, das NoArchive-Meta-Tag und JavaScript. Gerade das serverseitige Blocken trifft kleine und mittlere Websites oft, ohne dass sie es wissen.
Server-Logs sind die GA4 für Bots
Server-Logs protokollieren jeden Request an den Server, ob von einem User oder einem Bot. Was GA4 für Nutzer ist, sind die Server-Logs für Bots. Anhand der User Agents lässt sich erkennen, welche URLs von Trainingsbots und welche im Grounding zur Beantwortung von Nutzerfragen genutzt wurden. Das ist laut Juliane aktuell das einzige verlässliche Mittel, um die eigene Sichtbarkeit in LLMs zu beziffern.
Reverse Prompt Engineering aus den Logs
Welche URLs werden besonders oft fürs Grounding abgerufen? Dort steckt echtes Nutzerinteresse. Aggregiert man die Zugriffe nach Themen, Produktgruppen oder Verzeichnissen, sieht man, wo man für LLMs relevant ist und wo nicht. Die konkreten Prompts sieht man zwar nicht, aber die stark genutzten URLs plus die Longtail-Begriffe aus der Search Console geben klare Hinweise auf die relevanten Fragestellungen.
JavaScript: der Index ist nur der Zwischenschritt
Wichtige Inhalte gehören ins Raw-HTML, nicht in JavaScript. Das Argument, Google und Bing könnten JavaScript ohnehin rendern, greift zu kurz: Aus dem Index bekommen LLMs nur URL und Metadaten, die Seite selbst müssen sie noch scrapen, und dabei extrahieren sie vor allem reinen Text. Lösungswege sind Server-Side Rendering oder die wichtigsten Inhalte direkt ins HTML zu bringen.
Grüne Core Web Vitals sind kein Freifahrtschein
Selbst mit guten Core Web Vitals kann der Server unter den sprunghaften Crawl-Peaks der AI-Bots einbrechen, bis zu Downtimes oder 20 Sekunden Ladezeit, gerade bei Shared Hosting. Die Crawling-Statistiken der Search Console haben einen dreitägigen Verzug und sind fürs kurzfristige Monitoring zu träge. Besser: die Time to First Byte über ein Server-Monitoring im Blick behalten.
Bing AI Performance Report als Ergänzung
Der AI Performance Report der Bing Webmaster Tools liefert erstmals eigene Daten, deckt im Abgleich mit den Server-Logs aber nur etwa 10 Prozent ab, weil die Copilot-Nutzung geringer ist. Als Ergänzung ist er trotzdem nützlich, etwa um zu den stark genutzten URLs die passenden Grounding-Queries zu sehen.
Kann ein AI Crawler deine Seite überhaupt erreichen?
Ergänzend zum Video die praktische Prüfung. Bevor du an Content denkst, kläre die Erreichbarkeit. Typische Barrieren:
- Serverseitiges Blocken: Hoster, CDN oder Firewall blockieren AI-Bots, oft unbemerkt bei kleinen und mittleren Websites. Anzeichen sind Rate Limits oder ein Status 403 direkt bei den ersten Zugriffen.
- robots.txt: die bewusste Steuerung. Achtung, sie wirkt nicht rückwirkend: Wer blockiert, kann trotzdem noch in AI-Antworten auftauchen, weil er in Trainingsdaten steckt oder referenziert wird.
- NoArchive-Meta-Tag: ein altes
<meta name="robots" content="noarchive">signalisiert Bing, die Seite nicht in Copilot-Antworten oder fürs Training zu nutzen. Die Bing Webmaster Tools melden das als Recommendation. - JavaScript: wichtige, per JavaScript nachgeladene Inhalte sind für AI-Bots oft unsichtbar.
Ob AI-Bots wie GPTBot, ClaudeBot oder PerplexityBot auf deine Seite zugreifen können, prüfst du am schnellsten mit unserem kostenlosen KI-Bot-Check, dem Tool, das Juliane im Video erwähnt. Wie du die einzelnen Bots danach gezielt blockst oder zulässt, zeigt die Seite AI Crawler steuern.
Logfile-Analyse: was Server-Logs sind und wie du drankommst
Ergänzend zum Video die Grundlagen. Server-Logs sind Protokolldateien, die jeden Request an deinen Server festhalten, mit Zeitstempel, angefragter URL, Statuscode, IP und User Agent. So gehst du vor:
- Logfiles beschaffen: In der Regel stellt der Hoster sie bereit. Bei kleinen bis mittleren Websites ziehst du sie meist über einen SFTP-Zugang oder als Export.
- Zeitraum wählen: Für den Einstieg reichen 14 Tage, um zu sehen, was wie häufig gecrawlt wird.
- Datenschutz beachten: IP-Adressen sind personenbezogene Daten. Anonymisiere oder kürze sie und lösche Logs nach einer definierten Frist (DSGVO).
- Auswerten mit Tool: Die Datenmengen sind groß, ein reiner Texteditor reicht nicht. Es braucht ein Analyse-Tool (siehe unten).
AI-Bots in den Logfiles erkennen
Ergänzend zum Video: In den Logs identifizierst du die Bots über den User Agent. Für die KI-Sichtbarkeit sind vor allem die Grounding-Bots interessant, weil sie user-getriggert sind und echtes Nutzerinteresse abbilden. Die wichtigsten Kennungen:
| User-Agent-Token | Anbieter | Typ |
|---|---|---|
GPTBot | OpenAI | Training |
ChatGPT-User | OpenAI | Grounding (user-getriggert) |
OAI-SearchBot | OpenAI | Suche |
ClaudeBot | Anthropic | Training |
Claude-User | Anthropic | Grounding (user-getriggert) |
PerplexityBot | Perplexity | Suchindex |
Google-Extended | Gemini-Training/Grounding | |
Bingbot | Microsoft | Suche/Copilot |
Wichtig: User Agents lassen sich fälschen. Für belastbare Ergebnisse gleichst du die IP per Reverse-Lookup ab. Agenten mit normaler Browser-Kennung (etwa manche Perplexity-Zugriffe) tauchen so gar nicht sauber auf. Eine ausführliche User-Agent-Übersicht und die robots.txt-Steuerung findest du auf AI Crawler steuern.
Was du aus Logfiles für AI Search lernst
Ergänzend zum Video die konkreten Auswertungen, die sich lohnen:
- Grounding-URLs finden: Welche Seiten werden von user-getriggerten Bots
(
ChatGPT-User,Claude-User) am häufigsten abgerufen? Dort steckt echtes Nutzerinteresse, das ist dein Sichtbarkeits-Indikator. - Nach Themen aggregieren: Fasse die Zugriffe nach Verzeichnissen, Produktgruppen oder Themen zusammen. So siehst du, welche Bereiche für LLMs relevant sind.
- Training gegen Grounding: Wird ein Bereich nur von Trainingsbots, aber nie im Grounding abgerufen, ist er für die aktuelle KI-Sichtbarkeit unwichtig. Das ist kein Beinbruch, es zählt der richtige Kanal.
- Von Erfolgen lernen: Was im Grounding gut läuft und Klicks oder Conversions bringt (Abgleich mit GA4), lässt sich auf andere wichtige Seiten adaptieren.
- Prompts annähern: Die echten Prompts siehst du nicht. Aber zu den stark genutzten URLs liefern die Longtail-Begriffe aus der Search Console Hinweise auf die relevanten Fragestellungen.
Grenze der Methode: Ein Grounding-Zugriff heißt nur, dass deine Seite ins Relevanzset (Query Fan-out) gekommen ist, nicht, dass du in der Antwort zitiert wirst.
Tools für die Logfile-Analyse
Ergänzend zum Video ein Überblick über die Werkzeuge:
- Screaming Frog Log File Analyser: günstiger, einfacher Einstieg. Ideal, um ohne großen Aufwand loszulegen, für die AI-spezifische Auswertung aber nicht vollständig.
- KI-Bot-Checker: prüfen im Bulk, ob AI-Bots überhaupt zugreifen dürfen (etwa unser KI-Bot-Check). Das ist die Erreichbarkeits-, nicht die Logfile-Auswertung, aber der logische erste Schritt.
- Screaming Frog SEO Spider: zum manuellen Testen einzelner Bots, der User Agent lässt sich wechseln, die AI-Bots sind hinterlegt. Jeder Bot muss einzeln geprüft werden.
- Eigene Auswertung: Server-Logs folgen einer einheitlichen Struktur und lassen sich gut selbst parsen, gerade mit AI-Tools, bis hin zu einem eigenen Agenten, der auffällige URLs analysiert.
JavaScript und Server-Performance als Crawling-Barrieren
Ergänzend zum Video die zwei technischen Dauerbrenner:
- JavaScript: Prüfe mit dem Screaming Frog oder einem Chrome-Plugin (JavaScript deaktivieren), was per JavaScript nachgeladen wird. Nicht jede weiße Seite ist ein JS-Problem, oft fehlt nur das CSS. Lösung: Server-Side Rendering oder die wichtigsten Inhalte ins Raw-HTML.
- Server-Performance: Grüne Core Web Vitals sind ein guter Indikator, aber kein Freifahrtschein. Beobachte die Time to First Byte über ein Server-Monitoring, die Crawling-Statistiken der Search Console haben drei Tage Verzug. Bei Shared Hosting mit hoher AI-Crawl-Last lohnt ein Blick auf das Hosting-Paket. Wie du dein Crawl-Budget insgesamt effizienter gestaltest und ineffizientes Crawling über die Crawling-Statistiken der Google Search Console findest, zeigt Crawl-Budget optimieren.
Wichtige Fragen zur Logfile-Analyse für AI Search
Was ist eine Logfile-Analyse?
Die Logfile-Analyse wertet die Protokolldateien deines Servers aus, in denen jeder Request festgehalten wird. Für SEO und AI Search zeigt sie, welche Bots wann welche URLs abgerufen haben. Praktisch: Du ziehst die Logs beim Hoster, wertest sie mit einem Tool aus und filterst nach den User Agents der AI-Bots. Details im Abschnitt zu den Grundlagen oben.
Wie komme ich an meine Server-Logs?
In der Regel stellt der Hoster sie bereit. Bei kleinen bis mittleren Websites ziehst du sie über einen SFTP-Zugang oder als Export aus dem Hosting-Panel. Achte auf den Datenschutz: IP-Adressen sind personenbezogen, also anonymisieren und Logs nach Frist löschen.
Womit werte ich Logfiles aus?
Für den Einstieg eignet sich der günstige Screaming Frog Log File Analyser. Wer AI-spezifisch auswerten will, baut sich eine eigene Auswertung, die Logs folgen einer einheitlichen Struktur und lassen sich gut parsen, gerade mit AI-Tools. Ob AI-Bots überhaupt zugreifen dürfen, klärst du vorab mit einem KI-Bot-Checker.
Wie messe ich meine Sichtbarkeit in LLMs über Logfiles?
Filtere die Grounding-Bots (z.B. ChatGPT-User) und schaue, welche URLs am häufigsten
abgerufen werden, das ist ein Indikator für echtes Nutzerinteresse. Aggregiere nach Themen und
gleiche mit Klick- und Conversion-Daten aus GA4 ab. Beachte: Ein Zugriff heißt, du bist ins
Relevanzset gekommen, nicht zwingend, dass du in der KI-Antwort zitiert wirst.
Sehe ich in den Logfiles die konkreten Prompts?
Nein. Du siehst nur, welche URLs zur Beantwortung genutzt wurden, nicht den Prompt selbst. Du kannst dich annähern: Zu den stark genutzten URLs liefern die Longtail-Suchbegriffe aus der Search Console Hinweise auf die relevanten Fragestellungen. Als Ergänzung zeigt der Bing AI Performance Report Grounding-Queries, deckt aber nur einen Bruchteil ab.
Reichen grüne Core Web Vitals für AI-Crawler?
Nicht unbedingt. Selbst bei guten Core Web Vitals kann der Server unter den volatilen Crawl-Peaks der AI-Bots einbrechen. Beobachte die Time to First Byte über ein Server-Monitoring, die Crawling-Statistiken der Search Console sind mit drei Tagen Verzug zu träge fürs kurzfristige Monitoring.