Crawl-Budget optimieren mit der Google Search Console
Crawl-Budget klingt nach einem Thema nur für Riesen-Websites, doch schon ein technischer Fehler wie eine Filternavigation macht aus 1.000 URLs schnell eine Million. Wer sein Crawl-Budget optimieren will, braucht aber nicht zwingend die aufwendige Server-Log-Analyse. Im eingebetteten Video zeigt SEOSOON-Mitgründerin Juliane Bettinga im SEOPRESSO-Livestream (Kanal SISTRIX) die „Logfile light"-Methode: Wie du mit den versteckten Crawling-Statistiken der Google Search Console ineffizientes Crawling erkennst und gezielt behebst. Darunter findest du das bereinigte Transkript, eine Zusammenfassung und einen ausführlichen Praxisteil mit Schritt-für-Schritt-Anleitung, Use Cases und FAQ.
Diese Seite behandelt die Crawl-Budget-Optimierung über die GSC-Crawling-Statistiken. Für die vollständige Server-Log-Analyse siehe Logfile-Analyse für AI Search, für das gezielte Blocken und Zulassen von AI-Crawlern siehe AI Crawler steuern.
Bereinigtes Transkript des Videos anzeigen
Redaktionell bereinigtes und gekürztes Transkript des oben eingebundenen Livestreams von SISTRIX (SEOPRESSO Podcast). Grundlage sind die automatisch erzeugten Untertitel; Formulierungen wurden zur Lesbarkeit geglättet, offensichtliche Erkennungsfehler korrigiert und Sprecherzuordnungen in eckigen Klammern ergänzt. Um Begrüßungs-, Housekeeping-, Technik- und Verabschiedungspassagen wurde gekürzt, die fachlichen Aussagen sind vollständig erhalten. Einzelne Passagen können vom gesprochenen Wort abweichen.
Warum Logfile-Analyse wichtig ist
[Björn] Ich gehe davon aus, dass nur eine Handvoll SEOs wirklich prozessorientiert mit Logfiles arbeitet, sofern sie die Daten haben, aufbereiten können und ein Tool dafür haben. Warum ist die Logfile-Analyse wichtig, und welche Einblicke bekommt man daraus?
[Juliane] Logfiles sind unser Bild davon, womit sich Suchmaschinen und andere Bots auf unserer Seite auseinandersetzen: Was finden sie, wie oft crawlen sie etwas? Das ist meine einzige Datenquelle, mit der ich ein umfassendes Bild bekomme und auch sehe, was auf meinem Server herumliegt, das mir nicht offensichtlich ist, weil es nicht meine sichtbare URL-Struktur ist, sondern die ganzen Ressourcen drumherum. Ich habe einen Blick in den Maschinenraum. Ich kann sehr spezifisch herausfinden, wie schnell eine neue URL gefunden wird, ob es Missverhältnisse beim Crawling gibt oder ob bestimmte Verzeichnisse sehr häufig gecrawlt werden.
[Björn] Vieles davon bekommt man doch auch mit einem guten Crawler wie Screaming Frog. Was ist der Unterschied zu den Logfile-Daten?
[Juliane] Mit einem normalen Crawler sehe ich, wenn ich die Inspection-API von Google anbinde, vielleicht das letzte Crawldatum einer URL. Aber ich sehe nicht, wie häufig sie gecrawlt wurde, ob einmal oder hundertmal. Ich finde auch nicht heraus, wenn URLs gar nicht gecrawlt werden, oder ob sich Suchmaschinen in bestimmten Ressourcen festbeissen und sie häufig crawlen. Diese Frequenz bekomme ich mit einem Screaming Frog einfach nicht heraus.
Warum Crawling eine begrenzte Ressource ist
[Björn] Das Ziel der Logfile-Analyse ist, das Crawling effizienter zu gestalten, damit Google die wichtigsten Seiten crawlt und sich nicht mit Fehlern beschäftigt. Warum ist Crawling eine begrenzte Ressource, und welche Auswirkung hat ineffizientes Crawling auf die SEO-Performance?
[Juliane] Nur mit Crawl-Effizienz können wir unser Crawl-Budget optimieren. Crawling ist am Ende eine begrenzte Ressource: Täglich werden hunderte Millionen neue Dokumente veröffentlicht, daneben gibt es unzählige bekannte Dokumente, die immer wieder gecrawlt werden müssen. Wir sind in einer Wettbewerbssituation und müssen zusehen, dass wir keine Ressourcen für unnötiges URL-Inventar verschwenden. Wenn wir Crawling-Ressourcen verschwenden, bekommen wir Probleme bei der Performance, da ist Google in der Dokumentation eindeutig, und ich sehe es auch in der Realität. Erstens werden neue URLs nicht schnell genug entdeckt, gecrawlt und indexiert. Gerade in Bereichen, die von Schnelligkeit leben, etwa Publishing, entscheidet das, ob ich in der Schlagzeilen-Box lande oder nicht. Zweitens kommt es zu Verzögerungen bei Aktualisierungen bestehender URLs: Der Crawler kommt später vorbei, Änderungen werden nicht schnell genug erkannt. Und drittens belastet unnötiges Crawling meine Serverkapazitäten, das kann Ausfallzeiten provozieren und ist ein Kostentreiber. Und nicht banal: Jede unnötig gecrawlte URL erzeugt einen CO2-Abdruck, den wir sparen können.
Das Problem der Logfile-Beschaffung
[Björn] Man guckt über die Logfile-Analyse von vorne auf das Auto und identifiziert Fehler, bevor es Crawling-Probleme gibt. Aber die Logfile-Beschaffung ist im Unternehmen oft ein Albtraum, riesige Files, Terabytes an Daten. Man kann nur kurze Zeiträume anschauen und braucht Tools, die diese Größen verarbeiten. Du hast auf der SEOcom eine leichte Alternative über die Google Search Console vorgestellt. Welche Daten von dort sind besonders wertvoll?
[Juliane] Das sind die Crawling-Statistiken, die leider sehr versteckt sind. Wenn man nicht weiß, wo man sie findet, stolpert man nicht darüber wie über den Indexbericht. Man findet sie unter den Einstellungen. Dort haben wir einen großen Datenschatz, um das Crawl-Verhalten zu analysieren und strukturelle Probleme zu erkennen. Wichtig: Die Crawling-Statistiken sieht man nur mit einer Domain-Property, nicht mit einer Folder-Property. Auf Domain-Ebene sind auch alle untergeordneten Subdomains mit drin, das ist ein großer Vorteil. Ich kann eine Gesamtbetrachtung machen, gerade wenn ich eine eigene API oder meine Bilder auf einer Subdomain hoste. Unter den Crawling-Statistiken gibt es auf der übergeordneten Ebene den Bereich Hosts mit den bis zu 20 meistabgerufenen Subdomains der letzten 90 Tage. Wenn du mehr als 20 Subdomains hast, ist das schon ein Ansatzpunkt. Und man findet oft alte Stagings oder Subdomains, die crawlbar sind, aber null Relevanz haben und blockiert oder abgeschaltet gehören. Da ist sehr oft schon Potenzial.
Die drei Schritte der Logfile-light-Methode
[Björn] Kannst du uns Schritt für Schritt durch die Methode führen, wie du die Daten aus der GSC mit Looker Studio oder Google Sheets verbindest?
[Juliane] Es sind drei Schritte. Schritt eins: die Daten aus der GSC holen. Google stellt vier Bereiche zur Verfügung, nach Dateityp, nach Zweck, nach Antwort (Statuscode) und nach Googlebot-Typ. In jedem Bereich stecken bis zu 1.000 Beispiel-URLs. Man kann sich durch alles durchklicken und überall exportieren, das sind aber bis zu 45 Dateien, je mehr Ausprägungen, etwa Statuscodes, desto mehr Berichte. 45 mal manuell exportieren geht, aber es gibt ein Chrome-Plugin von Valentin Pletzer, damit hat man eine One-Click-Lösung und lädt die ganzen Crawling-Statistiken gebündelt herunter. Schritt zwei: die Daten konsolidieren, aggregieren und teilweise extrahieren, weil wir Analysen machen wollen, die über die GSC-Oberfläche hinausgehen. Wir zerlegen zum Beispiel den URL-Pfad, um Verzeichnisanalysen zu machen. Dafür habe ich ein Master-Template gebaut, entweder in Google Sheets oder komfortabler in n8n, ein Apps-Script führt die Daten zusammen. Schritt drei: Diese Master-Datei bindet man an Looker Studio an. Am Ende hat man zwei Dateien und kann direkt loslegen und nach Auffälligkeiten suchen.
Was man im Template und in den Statistiken sieht
[Juliane] Ganz oben haben wir die Summaries, wie in den Crawling-Statistiken: Gibt es Peaks bei den Crawling-Anfragen, Auffälligkeiten bei der Serverantwortzeit, wie groß sind die Downloads? Der Vorteil im Template ist, dass wir in einzelne Zeiträume hineinzoomen und Korrelationen betrachten können, zum Beispiel: Ich habe einen Anstieg an Crawl-Requests, wie reagiert mein Server, geht die durchschnittliche Reaktionszeit nach oben? Steigende Crawling-Anfragen bei parallel steigender Server-Reaktionszeit können darauf hindeuten, dass ich perspektivisch Kapazitätsprobleme bekomme. Darunter kommen die Details: die Verteilung der Statuscodes, die Dateitypen (habe ich vorrangig HTML, oder wie hier im Beispiel PDFs mit 6 Prozent?), und die Verteilung zwischen Discovery- und Refresh-Crawls. Das ist ein Unterschied zu klassischen Logfiles, dort haben wir diese Information nicht, Google stellt sie hier bereit. So kann ich analysieren, ob ein Verzeichnis mit hoher Veröffentlichungsfrequenz, etwa der Blog, auch einen entsprechend hohen Discovery-Anteil hat.
[Juliane] Dann kommt die Segmentierung: Welche Verzeichnisse werden am häufigsten gecrawlt? Das kann ich nach Statuscodes filtern und sehr tief hineingehen und Auffälligkeiten über die letzten drei Monate sehen. Der Vorteil gegenüber Logfiles ist der lange Zeitraum, ich habe großen Interpretationsspielraum für Trends und Peaks, den ich bei Logfiles wegen der begrenzten Zeiträume oft nicht habe. In der aggregierten Form sehe ich auch Auffälligkeiten bei häufig gecrawlten URLs. In einem Beispiel ist bei den Top-gecrawlten URLs direkt ein 404 dabei, eine fehlerhafte CSS-Datei, die ständig gecrawlt wird. Warum, muss nicht sein, das findet man hier schon in den Daten.
Worauf man beim Einstieg achten sollte
[Björn] Worauf sollte man achten, wenn man in so eine Analyse startet?
[Juliane] Ich würde auf zwei, drei Punkte achten. Erstens die Statuscode-Verteilung: Statuscode 200 sollte in der Regel überwiegen. Wenn ich viele Redirects oder viele 400er habe, ein gewisser Anteil ist normal, aber es sollte nicht der Hauptanteil sein, werde ich aufmerksam. Ich hatte einen Fall, da hatte Statuscode 301 dreißig Prozent des gesamten Crawlings ausgemacht, und das war nicht erklärbar, wir hatten kein Republishing. Daneben 20 Prozent Statuscode 404, das wiederum war erklärbar, weil es eine sehr dynamische Seite mit dynamischem URL-Inventar war. Der 30-Prozent-Anteil mit 301 war nicht zurückführbar. Wir haben uns über das Dashboard angeschaut, welche URLs und Verzeichnisse betroffen sind, und festgestellt, dass es Parameter-URLs waren, die 23 Prozent des gesamten Crawlings ausgemacht und extreme Ressourcen gefressen haben. Das haben wir uns über die Crawling-Statistiken erschlossen und dann optimiert.
[Björn] Man sollte darauf hinzielen, mindestens 95 Prozent Statuscode 200 zu haben. Interessant ist auch die Discovery-Refresh-Verteilung, gerade bei großen Plattformen: Google soll eine gute Mischung aus neuem und altem Content haben. Und die Dateityp-Verteilung, um ein JavaScript-Problem zu erkennen.
[Juliane] Genau, jede Domain ist anders, eine bildlastige Domain hat mehr Images. Man muss es hinterfragen, aber allein durch diese Views hat man schon sehr gute Optimierungsansätze. In einem Projekt haben wir neben dieser Logfile-light-Methode parallel eine echte Logfile-Analyse gemacht, und die Erkenntnisse waren nahezu die gleichen. Probleme sind fast immer strukturell, selten eine einzelne URL, die das Crawl-Budget kaputt macht. Auch die Tageszeit-Verteilung ist spannend: Wann kommt Google vorbei und hat einen Peak? Ein guter Indikator, wann man große Änderungen oder eine Migration machen sollte.
Use Case: Migration überwachen
[Björn] Wie würdest du die Analyse nutzen, um zu identifizieren, ob eine Migration erfolgreich läuft?
[Juliane] Für eine URL-Migration würde ich vorab den Status quo ermitteln, sonst weiß ich nicht, wo meine Abweichungen sind. Praktisch: Die Daten werden in der GSC drei Monate rückwirkend gespeichert, ich kann also auch unmittelbar nach der Migration noch rückwirkend schauen. Dann beobachte ich Redirects und 404-Seiten. Wenn ich bei der Migration alles umleite, sollte das Crawling im Bereich 301 massiv nach oben gehen. Gehen die 404-Anteile massiv nach oben, sind vielleicht Inhalte auf der Strecke geblieben. Das Crawling der 404-Seiten sollte sich mit der Zeit einpegeln, und wenn nicht, ist es der Punkt, mit 410 zu arbeiten. Ich habe ein Migrationsprojekt gesehen, bei dem der 404-Anteil lange bei 40 bis 50 Prozent lag, dann wurde im Nachgang auf 410 umgestellt, was sich positiv aufs Crawling ausgewirkt hat. Auch die Dateityp-Verteilung ist spannend: Wird auf einmal vermehrt JavaScript oder CSS gecrawlt? Ist das gewollt, weil wir die Templates geändert haben?
Use Case: URL-Inventar gegen Sitemap
[Björn] Wie gehst du beim Ungleichgewicht zwischen den URLs, die du hast, und den URLs, die du über die Sitemap rausschickst, vor, um URLs zu reduzieren?
[Juliane] Man sollte den Crawl-Ballast reduzieren, damit die relevanten Inhalte in den Index kommen. Ein Crawl-Budget-Problem kommt oft durch technische Fehler, durch facettierte Navigation, Kalenderintegration oder Parameter-URLs. Das sollte als technischer Fehler behoben werden. Ist es kein Fehler, sondern ein notwendiger Bestandteil, sollte über die robots.txt nachgedacht werden: unnötige Verzeichnisse vom Crawling aussperren. Aber Achtung, dann tauchen sie eventuell im Indexbericht als „indexiert, obwohl durch robots.txt gesperrt" auf, da sind weiterführende Tasks nötig, etwa Link-Maskierung. Beim Thema Redirects: Wenn ich einen riesigen Anteil habe, schaue ich, wie ich Redirect-Ketten abbaue, gerade bei Republishing hat man nicht selten fünf bis zehn Ketten. Und die Website-Architektur: Sind meine wichtigen Inhalte, die in der Sitemap stehen, auch gut intern verlinkt? Wenn sie in Klicktiefe acht liegen, bringt das nichts. Dazu der Einsatz korrekter Statuscodes: Bei permanent gelöschten Inhalten 410 statt 404, das wird im Nachgang bis zu 50 Prozent weniger gecrawlt. Bei unveränderten 200er-Inhalten kann ich mit Statuscode 304 (Not Modified) arbeiten, das spart Crawling-Ressourcen. Und natürlich die Page-Performance, Ladegeschwindigkeit und Server-Antwortzeit.
[Juliane] Wichtig: Das sollte sich jeder anschauen, auch kleinere Websites. Durch technische Fehler entsteht schnell ein riesiges URL-Inventar. Ich hatte einen Fall mit eigentlich nur gut 1.000 URLs, der durch eine Filternavigation im Newsarchiv auf einmal über eine Million URLs hatte. Schon habe ich ein Crawl-Budget-Thema, obwohl nur 1.000 URLs in der Sitemap stehen.
Zwei Fragen aus dem Livestream
[Björn] Wie bekomme ich mehr als das 1.000-Zeilen-CSV-Export-Limit aus der GSC heraus?
[Juliane] Bei den Crawling-Statistiken bekommst du über keinen Weg mehr heraus, es gibt keine API und keinen Workaround. Der Workaround ist, alle Daten aus den verschiedenen Berichten zu ziehen und zu aggregieren. Einen kleinen Hack gibt es für einzelne Verzeichnisse: Mit dem Plugin von Valentin kann man sich pro Subfolder, wenn er als Property angelegt ist, mehr Daten ziehen.
[Björn] Gibt es einen guten Prozentwert fürs Crawl-Reporting?
[Juliane] Ich würde sagen, 95 Prozent Statuscode 200 sollte man erreichen. Und wenn man sich anschaut, welche die wichtigsten Seiten sind und Google diese hauptsächlich crawlt, ist alles gut. Man sollte immer darauf achten, dass die wichtigsten Ressourcen und Statuscodes die Überhand haben, und Auffälligkeiten, die man sich nicht erklären kann, immer hinterfragen.
Das Wichtigste aus dem Video: Crawl-Budget mit der Search Console optimieren
Wir fassen die Inhalte des Videos (SEOPRESSO-Livestream auf dem Kanal von SISTRIX) hier zusammen. Kernbotschaft von Juliane Bettinga: Crawl-Budget optimieren geht auch ohne aufwendige Server-Log-Analyse, nämlich über die versteckten Crawling-Statistiken der Google Search Console.
Warum Crawl-Budget zählt
Crawling ist eine begrenzte Ressource. Wer sie für unnötiges URL-Inventar verschwendet, riskiert, dass neue URLs zu langsam entdeckt und indexiert werden, dass Aktualisierungen verzögert erkannt werden und dass die Server unter unnötiger Last leiden. Betroffen sind nicht nur Riesen-Websites: Ein technischer Fehler wie eine Filternavigation macht aus 1.000 URLs schnell über eine Million.
Die Logfile-light-Methode: GSC statt Server-Logs
Echte Logfiles sind riesig und schwer zu beschaffen. Die Crawling-Statistiken der Search Console sind die leichte Alternative: versteckt unter den Einstellungen, nur auf Domain-Property-Ebene, inklusive aller Subdomains (Hosts-Bericht, bis zu 20 Subdomains, 90 Tage). In einem Projekt lieferte diese Methode nahezu dieselben Erkenntnisse wie eine parallel gefahrene echte Logfile-Analyse, weil Crawl-Probleme fast immer strukturell sind.
Discovery gegen Refresh, ein GSC-Vorteil
Die Search Console zeigt die Aufteilung in Discovery- und Refresh-Crawls, eine Information, die klassische Logfiles nicht liefern. So lässt sich prüfen, ob ein Verzeichnis mit hoher Veröffentlichungsfrequenz, etwa der Blog, auch genug Discovery-Crawls bekommt.
Statuscodes, Dateitypen und Verzeichnisse
Die drei wichtigsten Blickwinkel: die Statuscode-Verteilung (Ziel etwa 95 Prozent Statuscode 200), die Dateityp-Verteilung (verrät zum Beispiel ein JavaScript- oder PDF-Problem) und die Segmentierung nach Verzeichnissen. In einem Fall entpuppten sich Parameter-URLs mit Statuscode 301 als 23 Prozent des gesamten Crawlings, sichtbar erst durch die aggregierte Auswertung.
Use Cases: Migration und Crawl-Ballast
Bei einer Migration beobachtet man, ob die 301-Crawls hochgehen und die 404-Anteile sich einpegeln, notfalls stellt man auf 410 um. Beim Ungleichgewicht zwischen URL-Inventar und Sitemap reduziert man den Crawl-Ballast: technische Fehler beheben, per robots.txt aussperren, Redirect-Ketten abbauen, interne Verlinkung verbessern und korrekte Statuscodes (410, 304) einsetzen.
Warum du dein Crawl-Budget optimieren solltest
Ergänzend zum Video: Crawl-Budget ist die Menge an URLs, die eine Suchmaschine in einem bestimmten Zeitraum auf deiner Seite crawlt. Sie ergibt sich aus Crawling-Kapazität (was dein Server hergibt) und Crawling-Bedarf (wie wichtig und aktuell deine Inhalte sind). Verschwendest du dieses Budget, hat das drei Folgen:
- Langsame Discovery: Neue URLs werden zu spät entdeckt und indexiert, kritisch für aktualitätsgetriebene Bereiche wie News und Publishing.
- Verzögerte Aktualisierung: Änderungen an bestehenden Seiten erkennt Google später.
- Serverlast und Kosten: Unnötiges Crawling belastet den Server bis hin zu Ausfallzeiten und verursacht Kosten sowie einen vermeidbaren CO2-Abdruck.
Ein Crawl-Budget-Thema ist nicht nur etwas für Millionen-URL-Seiten. Faceted bzw. Filternavigation, Kalender oder Parameter-URLs blähen das Inventar auch bei kleinen Websites schnell auf.
Logfile light: Crawl-Budget über die GSC-Crawling-Statistiken analysieren
Ergänzend zum Video die Schritt-für-Schritt-Anleitung. Voraussetzung ist eine Domain-Property in der Google Search Console (die Crawling-Statistiken fehlen bei Folder-Properties). Du findest den Bericht unter Einstellungen → Crawling-Statistiken.
- Daten holen: Die GSC bietet vier Aufschlüsselungen: nach Dateityp, nach Zweck (Discovery/Refresh), nach Antwort (Statuscode) und nach Googlebot-Typ, mit jeweils bis zu 1.000 Beispiel-URLs. Das sind bis zu 45 Exporte. Das Chrome-Plugin von Valentin Pletzer lädt sie mit einem Klick gebündelt herunter.
- Aggregieren: Die Berichte konsolidieren und den URL-Pfad zerlegen, um Verzeichnisanalysen zu ermöglichen. Juliane nutzt dafür ein Master-Template in Google Sheets (oder n8n), ein Apps-Script führt die Daten zusammen.
- Visualisieren: Die Master-Datei an Looker Studio anbinden. Danach kannst du direkt nach Auffälligkeiten suchen.
Grenze: Der CSV-Export der Crawling-Statistiken ist auf 1.000 Zeilen limitiert, es gibt keine API. Der einzige Weg zu mehr Daten ist, alle Teilberichte zu ziehen und zu aggregieren. Wer die komplette Tiefe braucht, macht zusätzlich eine echte Server-Log-Analyse.
Worauf du in den Crawling-Statistiken achtest
Ergänzend zum Video die Prioritäten für die Auswertung:
- Statuscode-Verteilung: Statuscode 200 sollte klar überwiegen, Ziel etwa 95 Prozent. Hohe Anteile an 301 oder 404, die du nicht erklären kannst, sind ein Warnsignal (im Video: Parameter-URLs als 23 Prozent des Crawlings).
- Dateityp-Verteilung: Ueberwiegt HTML, oder frisst JavaScript, CSS, PDF oder Bilder unverhältnismäßig viel Crawling? Das deckt technische Probleme auf.
- Discovery gegen Refresh: Passt der Discovery-Anteil zur Veröffentlichungsfrequenz eines Verzeichnisses?
- Verzeichnis-Segmentierung: Welche Verzeichnisse werden am häufigsten gecrawlt, und ist das gerechtfertigt?
- Top-URLs gegen Traffic: Sind unter den meistgecrawlten URLs auch deine Trafficbringer, oder eher irrelevante Seiten? Ein Hinweis auf die interne Verlinkung.
- Peaks und Serverantwortzeit: Steigen Crawl-Requests und Reaktionszeit parallel? Dann drohen Kapazitätsprobleme.
Crawl-Budget optimieren: die wichtigsten Hebel
Ergänzend zum Video die konkreten Maßnahmen, wenn du Crawl-Ballast findest:
- Technische Fehler beheben: Faceted bzw. Filternavigation, Kalender und ungewollte Parameter-URLs erzeugen riesige URL-Mengen. Das ist die häufigste Ursache.
- Per robots.txt aussperren: Notwendige, aber crawlingunwürdige Verzeichnisse blockieren. Achtung: gesperrte URLs können als „indexiert, obwohl durch robots.txt gesperrt" auftauchen, dann zusätzlich die internen Links maskieren oder entfernen.
- Redirect-Ketten abbauen: Gerade bei Republishing entstehen fünf bis zehn Ketten, möglichst automatisiert auflösen.
- Korrekte Statuscodes: 410 statt 404 für dauerhaft gelöschte Inhalte (bis zu 50 Prozent weniger Crawling), 304 (Not Modified) für unveränderte Seiten.
- Website-Architektur: Wichtige, in der Sitemap gelistete Inhalte gut intern verlinken, nicht in Klicktiefe acht vergraben.
- Page-Performance: Ladegeschwindigkeit und Server-Antwortzeit optimieren, dazu eine
saubere, aktuelle Sitemap mit
<lastmod>.
Ein großer Teil des ungewollten Crawlings stammt heute auch von AI-Bots. Wie du deren Zugriff gezielt steuerst, zeigt die Seite AI Crawler steuern.
Use Case: eine Migration mit den Crawling-Statistiken überwachen
Ergänzend zum Video das Vorgehen bei einer URL-Migration:
- Status quo sichern: Vorab die aktuelle Verteilung festhalten. Die GSC speichert die Daten drei Monate rückwirkend, du kannst also auch direkt nach der Migration noch zurückblicken.
- 301 beobachten: Nach der Umleitung sollte das Crawling im Bereich 301 deutlich steigen.
- 404 im Blick behalten: Steigen die 404-Anteile stark, sind vielleicht Inhalte verloren gegangen. Das 404-Crawling sollte sich mit der Zeit einpegeln, sonst auf 410 umstellen.
- Dateitypen prüfen: Wird plötzlich mehr JavaScript oder CSS gecrawlt, war das eine gewollte Template-Änderung?
Häufige Fragen zur Crawl-Budget-Optimierung
Was ist Crawl-Budget?
Crawl-Budget ist die Menge an URLs, die eine Suchmaschine in einem bestimmten Zeitraum auf deiner Seite crawlt. Es setzt sich aus der Crawling-Kapazität (Serverleistung) und dem Crawling-Bedarf (Wichtigkeit und Aktualität der Inhalte) zusammen. Praktisch relevant wird es, wenn dein URL-Inventar deutlich größer ist als die Zahl deiner wirklich wichtigen Seiten.
Muss sich nur eine große Website um Crawl-Budget kümmern?
Nein. Auch kleine Websites bekommen ein Crawl-Budget-Thema, wenn technische Fehler das Inventar aufblähen, etwa eine Filternavigation, die aus 1.000 URLs eine Million macht. Ein kurzer Blick in die Crawling-Statistiken lohnt sich für jeden.
Wo finde ich die Crawling-Statistiken in der Search Console?
Unter Einstellungen → Crawling-Statistiken, und nur mit einer Domain-Property, nicht mit einer Folder-Property. Auf Domain-Ebene sind alle Subdomains im Hosts-Bericht enthalten (bis zu 20, 90 Tage). Details in der Schritt-für-Schritt-Anleitung oben.
Wie optimiere ich mein Crawl-Budget konkret?
Behebe zuerst technische Ursachen (Filternavigation, Parameter-URLs), sperre unnötige Verzeichnisse per robots.txt, baue Redirect-Ketten ab, nutze 410 statt 404 für gelöschte Inhalte und 304 für unveränderte Seiten, verlinke wichtige Inhalte gut intern und halte die Sitemap aktuell. Mehr im Abschnitt zu den wichtigsten Hebeln.
Warum sind Logfiles besser als ein normaler Crawler?
Ein Crawler wie Screaming Frog zeigt höchstens das letzte Crawldatum, nicht die Crawl-Frequenz, nicht ob URLs gar nicht gecrawlt werden und nicht, in welchen Ressourcen sich Suchmaschinen festbeissen. Diese Frequenz siehst du nur in Logfiles oder, als leichte Alternative, in den GSC-Crawling-Statistiken. Für die volle Tiefe siehe die Server-Log-Analyse.
Wie hole ich mehr als 1.000 Zeilen aus den Crawling-Statistiken?
Gar nicht direkt, der Export ist limitiert und es gibt keine API. Der Weg zu mehr Aussagekraft ist, alle vier Teilberichte (Dateityp, Zweck, Antwort, Googlebot-Typ) zu ziehen und zu aggregieren, wofür sich das Chrome-Plugin von Valentin Pletzer und ein Template plus Looker Studio eignen.